Der
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stellt uns aus seiner Dangast-Ausgabe von 1990 folgenden Artikel zur Verfügung:
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Granaat,
frische Granat!
Ein kleiner Einblick in das Dangaster Leben
jenseits von Fremdenverkehr, Kunst und Kultur
jf Ein kleiner Einblick in das Dangaster Leben jenseits von Fremdenverkehr, Kunst und Kultur

1797 gründete Graf Gustav Friedrich von Bentinck das Bad Dangast und legte damit den Grundstein eines Wirtschaftszweiges, der heute die Haupteinnahmequel1e der Dangaster Einwohner bildet: Den Fremdenverkehr. Doch als im 16. Jahrhundert eine Sturmflut den Jadebusen aus dem niedrigen Festland schlug, gab es noch keinen Tourismus. Die Menschen lebten, was lag näher, von der Fischerei. Auch Dangast war jahrhundertelang ein Fischer- und Bauerndorf. Von jeher konzentrierten sich die Fischer auf den Fang von Granat, einer Garnelenart, die hierzulande auch oft als Krabben bezeichnet wird. Der Lebensraum der Granat ist das flache Wasser in den Wattengebieten. Die Tiere graben sich in den Sand ein, wo sie auch die Ebbezeiten überdauern. Bei Flut gehen die Garnelen nachts auf Nahrungssuche. Dann hat auch die Stunde für die Fischer geschlagen: ‘'Gegen 1 bis 2 Uhr nachts, je nachdem wie die Flut kommt, laufen wir aus und sind dann 10 bis 12 Stunden unterwegs'‘, erzählt mir ein inzwischen in den wohlverdienten Ruhestand getretener Dangaster Fischer. Die Fanggründe erstrecken sich von Schillig aus bis vor die Inseln Mellum und Wangerooge.

Neben Granat gehen Butt, Scholle und Stint als Beifang ins Netz. Die Fangtechnik von heute gleicht im Grunde den früheren Methoden. Anfangs wurden Reusen aus Weiden geflochten, später zimmerten die Fischer aus Latten verschieden große Fangkörbe, die, ineinander gesetzt, über zwei oder drei Tiden im Wasser blieben und den Fang sicherten. Seit ungefähr zwanzig Jahren werden die Granat von Kuttern mit Schleppnetzen gefangen. Vor der Kutter-Ära transportierten die Fischer ihren Fang in kleinen Ruder- oder Segelbooten.
Von der Fahrrinne aus zogen sie ihre Körbe mit Schlickschlitten an Land und brachten die Granat grün - das heißt roh, nach Hause.

Erst dort sortierten sie den Fang mit Hilfe von Sieben, kochten die guten Tiere und konservierten sie durch Einsalzen. Anschließend wurden die Granat auf Ackerwagen verladen, zum Bahnhof nach Varel gebracht, und erst in Bremen gelangten die Dangaster Meeresfrüchte zum Verkauf. Die im Sieb verbliebenen kleinen Garnelen fanden ‘'grün'‘ Verwendung in der Landwirtschaft; sie wanderten als Dünger aufs Land.

1959 wurde der Dangaster Hafen gebaut; um diese zeit gab es hier noch 0 bis 5 Fischer. Heute übt nur noch ein einziger Dangaster diesen Beruf aus. Wenn er mit seinem Kutter in den Hafen einläuft, erwarten ihn bereits granathungrige Kunden. Die Krabben sind zu diesem Zeitpunkt schon fertig zum Verzehr, das heißt, sie sind unverzüglich nach dem Fang auf dem Schiff gesiebt und gekocht worden. ‘'Die kleinen Tiere fanden noch vor wenigen Jahren Verwendung als Futtergranat. Gekocht und getrocknet wurden sie Hühnerfutter beigemengt'‘, berichtet der pensionierte Dangaster Fischer, ‘'aber im Zuge der modernen Massentierhaltung ist das nicht mehr üblich.'‘ Industrialisierte Nahrung statt Vollwertkost also - auch für Hühner.

Alle gefangenen Granat und der Beifang kommen frisch im näheren Umfeld in den Handel; die Haftbarmachung erfolgt auch schon lange nicht mehr durch Einsalzen, sondern durch Konservierungsmittel und Einfrieren. ‘'Früher hatten die meisten Fischer noch einen kleinen Nebenerwerb, daran darf man heute aber schon gar nicht mehr denken'‘, wirft mein Gesprächspartner ein, er mag es auch nicht so gern erzählen. Die Rede ist von der Wattenjägerei. ´´Unzählige Wildenten und Gänse lebten hier, doch durch Eindeichung und Entwässerung im Hinterland wurde ihnen der Lebensraum genommen. Früher war Moorhausen im Sommer regelmäßig überflutet. Hier fanden auch Störche und Frösche ideale Lebensbedingungen, Sie glauben ja nicht, was das hier manchmal für ein Gequake war!"